Benath Notice – Hab und gut

Mein neues partizipatorische Kunstprojekt startete am 16.10.2014 in Greifswald im dortigen Koeppenhaus, dem Literaturzentrum Vorpommern.

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Dies ist das offizielle Plakat zur Ausstellung.

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Und so sah es aus:

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Im Anschluss erfahren Sie, worum es ging.

Dann folgt ein Radiointerview mit mir (2 Minuten).

Danach können Sie die mitgebrachten Kleinode sehen und die Geschichten dazu nachlesen.

Viel Spaß!

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Hierum ging es:

In „Hab und gut“ rief ich Menschen dazu auf, persönliche Dinge, die ihnen lieb und teuer sind, ins Koeppenhaus zu bringen und mir die Geschichte zu den Lieblingsdingen zu erzählen. „Es ging mir dabei nicht um das Ausstellen materiell hochwertigen Besitzes“, habe ich in einem Interview gesagt. „Ich wollte vielmehr wissen, woran die Herzen der Menschen in Greifswald hängen, wovon sie sich nie trennen würden. Diese Dinge wollte ich gerne aus den Händen der Greifswalder entgegennehmen und jede einzelne Geschichte dazu erfahren – und sie anschließend aufschreiben und ausstellen.“

Warum hat man die gesprungene Schüssel nicht weggeworfen, welche Geschichte steckt hinter dem rostigen Spielzeug? Was hat es mit der Wanduhr auf sich? Was also macht Dinge, die man besitzt, wertvoll? Sind es Gefallen, Erinnerung, Wurzeln, oder der Wunsch, eine Tradition fortzusetzen? Das waren nur einige Fragen, die mich interessierten.

© Fotos und Texte: CB, außer anders vermerkt

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Mittwoch früh, 14.10., um 5h46, auf Antenne Mecklenburg-Vorpommern:

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Hier kommen die Kleinode und ihre Geschichten:

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„Die Puderdose

Diese Puderdose stammt aus dem Nachlass meiner Großmutter Gisela Schön, geb. Kuntscher.

Sie starb als ich 5 Jahre alt war. Dennoch habe ich lebhafte Erinnerungen an sie.
Den Frühstückskakao, den sie mir über gefühlte Stunden zubereitet hat, und den ich dann alleine am Esszimmertisch mit weißer Tischdecke getrunken habe, während sie in der Küche unter wildem Zischen und Dampfen über weitere Stunden das Mittagessen zubereitet hat.

Die Erdbeeren, die sie in der hintersten Ecke des Gartens zog und ihr kleines Freischwimmbecken, das vor ihrem Blumenfenster den Rasen zierte.

Ihre große Handtasche mit Henkelgriff, in der sie auch die Puderdose aufbewahrte und welche sie in scheinbar unbeobachteten Momenten zückte, um sich ein wenig zu pudern.

Als ich etwa 14 Jahre alt war, habe ich meine Mutter gebeten, mir diese Puderdose zu schenken. Die gestickte Rose auf dem Deckel hat mich schon immer gerührt. Eine Zeit lang habe ich sie selbst verwendet. Heute bewahre ich sie in meinem Schreibtisch auf. Sie ist das „Rückfahrticket“ in den längst aufgelösten Haushalt meiner Großmutter mit all seinen Gegenständen, Gerüchen und Geräuschen“.

© Christiane Schön, Berlin

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Foto: Conni Herre

„Die Geschichte des Madonnenbildes

Meine Oma kam aus dem Rheinland und war sehr katholisch geprägt. Sie war Krankenschwester und landete durch die Kriegswirren und die Liebe zu meinem Opa, den sie im Lazarett kennen lernte, in einem kleinen Dorf im Leipziger Umland. Sie heiratete ihn, bekam drei Mädchen und war neben Kindern, Haushalt und Garten auch für die Arbeit in der Fleischerei meines Opas, die Pflege der Großeltern, sowie mehrerer im Haus lebender ausgebombter Familien verantwortlich.
Meine Mutter war die Älteste und ging als erste aus dem Haus um auch
Krankenschwester zu werden. Während der Ausbildung verliebte sie sich in meinen Vater. Sie wollte ihn heiraten und brachte ihn in ihr Elternhaus um dies zu verkünden. Als meine Oma erfuhr, dass der Schwiegersohn nicht katholisch war und es auch nicht
werden würde, stellte sie meine Mutter vor die Wahl, entweder diesen Mann oder ihre Familie aufzugeben. Meine Mutter verließ wütend ihr Elternhaus, heiratete meinen Vater und hatte jahrelang keinerlei Kontakt zu ihrer Familie. Sie wurde schwanger, bekam ein Mädchen, meine Schwester. Nach einem halben Jahr starb das Kind ganz plötzlich. Von ihrer Familie bekam meine Mutter keinen Halt oder Trost. Im Gegenteil, es hieß, dies
sei die Strafe Gottes.
Später wurden mein Bruder und ich geboren und über ihre Schwestern bekam meine Mutter langsam wieder Kontakt zu ihren Eltern.
Als ich noch ein Baby war, starb mein Opa und meine Oma war früh allein. Sie suchte Halt in ihrer kleinen katholischen Gemeinde und steigerte sich immer mehr in ihren Glauben rein. Sie fuhr jährlich nach Lourdes, hatte in ihrem Wohnzimmer einen heiligen Schrein, hörte Radio Vatikan und wartete, Vorräte hortend und missionierend, auf den Weltuntergang.

Die Ferien verbrachte ich oft bei meiner Oma. Ich kannte unsere Familiengeschichte, spürte auch Wut auf meine Oma, erlebte sie selbst aber immer herzlich, mild und gütig. Ich liebte es, in ihrem riesigen Haus und den Scheunen herum zu stöbern und spielte viel im Garten. Nur was ich gar nicht mochte, war der Mittagsschlaf. In ihrem ungeheizten und allzeit eiskalten Schlafzimmer, lag ich unter gewaltigen Federbetten begraben, in ihrem nur einseitig bezogenen Ehebett. Ein Wecker tickte erbarmungslos laut und von der Wand schräg nach vorn hängend, bedrohte mich das Bild. Ich war nicht müde, lag gequält und von dem Deckenberg gefesselt, stundenlang auf das Bild starrend und an unsere Geschichte denkend, da und wartete darauf, dass es auf mich
herunter fiel.

Meine Oma wurde sehr alt und als sie starb war ich schon erwachsen und hatte selbst ein Kind. Über das Erbe zerstritten sich die Schwestern. Meine Mutter machte dies so traurig, dass sie ihre Ansprüche aufgab und nichts mehr haben wollte. Die beiden anderen Schwestern teilten alles unter sich auf. Nur das Madonnenbild wollte niemand haben. Als ich später mal wieder in dem Haus war, nahm ich es mit und seitdem hat es bei mir Asyl.“

© Conni Herre, Berlin

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„Die porzellanene Teetasse

Die blau-weiße Porzellantasse war die Teetasse meiner Mutter. Weil sie sehr wertvoll war, benutzte meine Mutter sie nur dann, wenn sie echten Earl Grey-Tee zur Verfügung hatte. Den schickte ihr ihre Schwester aus London, aber immer nur in kleinen Portionen, so dass ich die Tasse zunächst nicht sehr oft sah. Als meine Mutter krank wurde, benutzte sie sie häufiger, jedenfalls immer dann, wenn sie zuhause war. Ins Krankenhaus wollte sie sie nie mitnehmen.

Mitte der 70er Jahre bekamen wir eine Spülmaschine. Meine Mutter war aufgeregt, weil sie nicht wusste, ob sie die Tasse mitwaschen konnte. Sie wagte es, doch leider war nach dem Waschgang eine Ecke aus dem Tassenrand herausgebrochen. Mein Vater schimpfte über die überflüssige, neue Technik, meine Mutter fand das nicht so schlimm. Wahrscheinlich hatte sie eines ihrer vier Kinder in Verdacht, das heimlich für den Bruch gesorgt hatte.

Seit dieser Zeit trank meine Mutter nicht mehr oft aus ihrer Tasse. Eines Tages jedoch wollte sie die Tasse noch einmal in Händen halten. Wir brühten ihr Earl Grey, den man mittlerweile auch hier kaufen konnte, sie trank ihn mit Kandiszucker und einem Tropfen Milch, so wie sie es immer getan hatte. Sie genoss das Getränk sichtlich.

Ein paar Wochen später ist sie gestorben.

Das ist jetzt knapp 30 Jahre her. Noch heute trinke ich aus Ehrfurcht vor dem zerbrechlichen Porzellan äußerst selten aus der Tasse.

Ich besitze noch anderes Geschirr meiner Eltern, Besteck, Teller und Becher, doch die Tasse ist der einzige Gegenstand, den ich ausschließlich mit meiner Mutter in Verbindung bringe.“

Christoph Brandl, Berlin

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Bronzegefaess

„Das Bronzegefäß

Nach dem Krieg so ab 1948 wohnten wir in Delitzsch in einer Teilwohnung. Meine beiden Schwestern, meine Eltern und ich teilten uns die Unterkunft mit einem alten Herrn, der ein Zimmer besaß. Wir hatten ein Schlafzimmer, ein Wohnzimmer und die Küchenkammer für uns.

Der alte Herr hatte keine Angehörigen. Als er starb kamen irgendwann Leute und räumten sein Zimmer aus, damit wir es benutzen konnten. Sie haben viele Sachen einfach weggeworfen, so auch dieses Bronzegefäß. Meinem Vater gefiel es, er rettete es aus dem Abfall und gab es uns Kindern. Wir spielten damit im Sandkasten, später stellten wir Pinsel und Farbstifte hinein.

Ich war Tänzerin und Balletmeisterin, ich habe in Leningrad studiert.

Ich habe nie herausgefunden, was das Gefäß darstellt. Die Henkel an den Seiten kann man abnehmen, außen sind Tierköpfe und Figuren zu sehen. Ich denke, der alte Mann hat es irgendwo in Asien oder im Orient gekauft.

Ich hoffe, es wurde nicht aus einem Grab geraubt. Heute benutze ich es als Übertopf für eine Pflanze, ich würde aber gerne herausfinden, woher es stammt und was für eine Bedeutung es hat. Ich bin mir sicher, es ist sehr wertvoll, besonders auch, weil es mich schon so lange begleitet.“

Margit Nicolaus, Greifswald

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„Die rechte Hand

Es war Ende der 90er Jahre, als die Stadt noch ein Spielplatz war. Ich war mit einem Freund unterwegs auf Erkundung. Hinter der Jacobikirche befand sich ein verlassener Gebäudekomplex. Ich weiß nicht warum, aber wir sind da rein.

Im Erdgeschoss hingen riesige Fleischerhaken an der Wand, alles war schwarz und fettig. Es war eine ehemalige Metzgerei, die schon lange leer gestanden haben muss, so wie es dort aussah.

In der oberen Etage waren unbenutzte Wohnräume, so dachten wir. Es lagen überall Berge von Kleidern herum, richtig abgefahrene Sachen, ein grüner Fellmantel, Pelze und Mäntel. Und aus einem dieser Kleiderberge ragte diese rechte Hand. Ich nahm sie an mich und wir gingen weiter durch die Räume. Da stand ein Bett mit einem dunklen Bündel Kleider drauf, dahinter fanden wir ein Waschbecken, das überraschenderweise penibel aufge-räumt und sauber war. Plötzlich wurde uns klar, dass hier noch jemand wohnte. Das musste die Person sein, die von allen zurückgelassen war, dachte ich.

Auf einmal fuhr ich herum. Ich hatte die Hand noch in der Hand und war mir ganz sicher, dass sich der dunkle Haufen auf dem Bett bewegt hatte. Wir rannten hinaus ins Freie, das war uns ein wenig unheimlich.

Die rechte Hand steht heute auf meinem Schreibtisch. Ich bewahre darin alle möglichen Dinge auf, kleine Sachen, die mir untergekommen sind.

Die Hand repräsentiert für mich ein schönes Versprechen, das sich bisher noch nicht eingelöst hat. Ich kann das Versprechen aber nicht nennen, weil ich abergläubisch bin und fürchte, dass es sonst niemals wahr werden würde. So warte ich weiter.“

Gertrud Fahr, Greifswald

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Wasserkanne, Buegeleisen

Die Wasserkanne

Es muss Anfang der 60er Jahre gewesen sein, da hat mein Mann Alfred die kupferne Wasserkanne beim Antiquitätenhändler Suhrbier in Altenburg erstanden. Sie ist von 1783 und stammt aus Ostpreußen. Alfred war Schauspieler, Regisseur und Intendant am Theater Schwerin. Nach dem Krieg flüchtete er mit seiner Familie aus Ostpreußen zunächst nach Dodow in Mecklenburg-Vorpommern. Später gingen sie dann nach Altenburg in Thüringen.

Oben auf der Kanne sind die Jahreszahl 1783, der Herkunftsort und die Namen der Erstbesitzer eingraviert. Mein Mann hat die Kanne mit in unsere Ehe gebracht, von Anfang an hing mein Herz dran.

Ich stellte sie auf den Kohleofen und kochte jahrelang Wasser in ihr. Viele Babywannen habe ich seit Mitte der 60er Jahre damit gefüllt. Wenn das Wasser heiß war, blieb es in der Kanne lange warm.

Zuletzt haben wir die Kanne als Vase genutzt.

Im März 2014 ist mein Mann gestorben. Diese Kanne ist mir eines der liebsten Erinnerungsstücke an ihn.

Das Bügeleisen

Man stellte das Bügeleisen, so wie es ist, auf den Kohleofen. Sobald sich das Metall erhitzt hatte, konnte man eine Stunde lang damit bügeln. Man begann mit den größeren Sachen, zum Schluss bügelte man die kleineren.

Mein Mann bekam dieses Bügeleisen nach einer Premiere von Ekkehard Hahn geschenkt. Das war ungefähr 1991. Alfred war damals Intendant und Regisseur, Hahn war Schauspieler dort. Mein Mann durfte noch bis 1992 dort arbeiten, dann hat man ihn entlassen, wie man alle irgendwann entlassen hat.

Margit Nicolaus für: Alfred Nicolaus, Greifswald

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Das Foto

Auf dem Foto aus dem Jahr 1981 ist ein junger Mann mit einem Kleinkind auf einem weißen Pony zu sehen. Es ist mein Vater, der mich auf dieses Pferd gesetzt hat. Ein Fotograf hat das Foto im Tierpark Friedrichsfelde in Berlin gemacht. Ich mochte das weiße Pony, alle Kinder mochten es, viele Fotos wurden mit Kindern auf diesem kleinen Pferd gemacht. Es wirkt wie ein Foto mit einem kleinen Löwen.

Um die Wende herum habe ich das Foto wiederentdeckt. Meine Eltern hatten es wohl in ein Album geklebt, warum ich es bekommen habe, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls mag ich es sehr. Für mich ist es auf den ersten Blick familiär, eng, schön, harmonisch und angenehm. Aber es gibt auch Dinge, die stören: Ich habe die Augen geschlossen, mein Vater schaut direkt in die Kamera, von dem Theater, das sich davor abspielte, sieht man nichts, davon habe ich erst hinterher erfahren: Ich hatte nämlich große Angst auf dieses Pony zu steigen.

Mein Vater war nicht oft da, daher ist ein Foto zusammen mit ihm etwas besonderes für mich. Den Rahmen habe ich selbst im Kindergarten gebastelt

Als ich das Foto wiederentdeckt habe, hat es sofort Klick gemacht. Ich war ein Jahr alt auf dem Bild, kann mich natürlich nicht mehr an die Aufnahme erinnern, dennoch assoziiere ich mit der Situation kindliches Vertrauen, Angst, Wünsche, Bedürfnisse.

Seit ich es habe, war das Foto immer bei mir. Immer hing es irgendwo an der Wand, auch, als ich meine eigene Familie gegründet habe und nach Greifswald gezogen bin.

Kürzlich war ich mit meinen eigenen Söhnen im Tierpark Friedrichsfelde. Das Pony gibt es nicht mehr, dafür haben sie dort kein Geld mehr, aber jeder erinnerte sich an das Tier.

Stefan Matschuk, Greifswald

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Pilz

Fliegenpilz

Den Pilz habe ich gerade eben unter der Birke vor meinem Haus gepflückt. Ich finde, es ist ein schöner Pilz.

Ob ich ihn allerdings pflücken durfte, weiß ich nicht, und wem er jetzt gehört, und was mit ihm geschieht, weiß ich auch nicht. Ich frage mich oft, was ist Be-sitz? Jeder hat ein Verhältnis zu Besitz, das wandelbar und diffus ist. Im Laufe unseres Lebens ändert sich unsere Einstellung zu den Dingen, mal ist es ganz wichtig, sich viel anzuschaffen, später sind wir viel-leicht mit weniger zufrieden.

Dieser Pilz ist ein weiterer Puzzelstein in meiner Auseinandersetzung mit dem Thema.

Ich bin Pilzesammler. Mal gehe ich ohne Korb in den Wald und lasse jeden Pilz stehen, freue mich aber, sie gesehen zu haben. Mal schneide ich einen großen Stein-pilz ab, den ich zuhause aufesse, worüber ich mich auch freue.

Zehn Minuten vor dem Ausreißen war man selbst kein Thema, und der Pilz war es auch nicht. und plötzlich ist alles anders.

Auch dieser Fliegenpilz wird ein anderer sein, wenn die Ausstellung endet. Ich bin mal gespannt, wie sich das Besitzverhältnis zu ihm verändern wird.

Auch mein Verhältnis zu Besitz wird sich verändern. Wie geht es danach weiter? Was sind die neuen Trends? Wie werden wir in Zukunft gut zusammen auskommen können?

Peter Peters, Greifswald

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Schwanenbild

Who is who?

…ein unvergesslicher Augenblick.

Scheinbar hundert weiße Schwäne versammelten sich im harten Winter 2010/21011 auf einem weiß verschneiten Stoppelfeld vor dem Greifswalder Bodden.

Allein Augen, Schnäbel und Füße ließen einen wahrnehmbaren Kontrast zwischen den Schwänen und dem Schnee zu.

Die spätere digitale Erweiterung des Kontrastes unter-strich dir fast surreale Atmosphäre…

…der reale Augenblick dieses Schauspiels und die Interpretation halten diesen Augenblick für immer in mir wach.

Das Bild hängt in meinem Schlafzimmer überm Bett.

© Kathrin Arnold, Greifswald

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Teddybaer

Teddy

Bei meiner Geburt stand meine Familie um mein Geburtsbettchen herum: mein Vater, meine Mutter, meine Schwester und meine Großeltern, die sich alle über meine Ankunft gefreut haben.

Ich bin im Haus meiner Großeltern in Wandlitz geboren. Es war ein schönes Haus, das an einem kleinen See lag. Vor meinem Geburtshaus stand ein Baum, in dem ein Papagei herumgekletterte. Meine Familie legte mir diesen Teddybär in meine Wiege.

Das ist meine Fantasie.

Ich bin in einem Krankenhaus in Berlin-Pankow geboren. Doch der Teddybär, den ich Teddy taufte, war immer bei mir. Ich erinnere mich an Sonntage, wo wir von Halle aus mit der Dampflock nach Berlin gefahren sind. Ich besaß damals einen Basset-Terrier, und meine schönste Erinnerung an diese Reisen ist das Bild, wenn Teddy und Jasper zusammen aus meinem Rucksack schauten.

Teddy ist überallhin mit mir umgezogen, ich besitze ihn mittlerweile 43 Jahre. Er wohnt bei mir in meinem Kleiderschrank auf einem Brettchen und kann durch ein Glasfenster in die Welt schauen.

Er ist meine Erinnerung daran, dass wir alle mal Kind waren – das darf man ruhig denken dürfen.

Hannes Rittig, Greifswald

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Steinbeil

Steinbeil

Das ist ein echtes steinzeitliches Steinbeil, das mein Großvater vor vielen Jahren in Flensburg Feldmark gefunden hat. Es hat hier eine Registriernummer, weil mein Großvater es in einem Museum auf seine Echtheit hin hat untersuchen lassen. Es ist tatsächlich mehrere 1000 Jahre alt.

1974 ist mein Großvater über 80jährig gestorben. Kurz vor seinem Tod hat er es an mich vererbt. Ich war damals noch sehr jung.

Zu seinen Lebzeiten hatte ich allerdings nur selten Gelegenheit, das Steinbeil zu betrachten. Es war verbo-ten seine Stube zu betreten und Dinge anzufassen.

Für mich ist das Steinbild eine schöne Erinnerung an meinen Großvater und an alles, was ihn ausmachte: Geschichte, Natur und die Kultur von Norddeutschland. Er schrieb ja selber Biologiebücher und unterrichtete Deutsch und Biologie.

Thomas Schmidt, Greifswald

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Schale

Selbst getöpferte Schale

Das ist eine Schale, die meine Freundin im Mai 1996 getöpfert hat. Sie hat damals versucht, sich das Töp-fern beizubringen, sie experimentierte mit Farben, Formen, der Glasur und brannte sogar selbst.

Dies war eines ihrer ersten Werke, viele hat sie nicht zu Ende gebracht. Ein paar Monate, nachdem sie mit dem Töpfern begonnen hatte, starb sie bei einem Autounfall auf dem Weg zu einer Exkursion auf der Insel Vilm. Das war am 1. August 1996.

Nach ihrem Tod stand ich in ihrem Zimmer, inmitten all ihrer Sachen und habe dann diese Schale mitgenommen.

Meine Freundin wohnte damals in der Stralsunder Straße 10. In dem Gebäude gab es unter dem Dach eine Wohnetage für Studenten, und so gab es viele Studentenaktivitäten hier. Das Studententheater Stuthe probte und spielte im Keller, auch die Gristuf, das internationale Studenten-festival fand dort statt.

Seit 2007 stand das Gebäude leer.

Die Schale erinnert mich an die damalige Zeit und wie schön es ist, wenn sich der Kreis schließt: Wir haben mittlerweile einen Verein gegründet, und es ist uns gelungen, das Gebäude zu kaufen. Wir renovieren es gerade und bald werden wieder Studenten hier einziehen.

Thomas Schmidt, Greifswald

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Gemälde

Das Gespenst

Das Gespenst

Jedes Jahr bekomme ich von meinem Mann ein Gemälde zum Geburtstag. Dieses hier habe ich 2013, also letztes Jahr bekommen. Es zeigt meinen jüngsten Sohn Marian, verkleidet als Gespenst.

Wir können uns ja nur uns schenken, vor allem, wenn man schon lange zusammen ist.

Es ist eines meiner Lieblingsbilder. Es steht sinnbildlich für alle Menschen, die mir wichtig sind und die ich gerne habe, ganz besonders die Familie.

Ich mag Portraits in der Kunst. Dürers Mutter – Marian hat ein bisschen ihre Augen – Madonnenportraits, die Mona Lisa, stilisierte Bilder von Menschen, die es nicht mehr gibt.

Stefanie Riech, Greifswald

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Ticket

Die Eintrittskarte

Das ist eine Eintrittskarte zu einem Handballspiel in meiner Heimat. Kiel gegen Barcelona. Ich glaube, das Spiel war 2011, ein Viertelfinale, soweit ich mich erinnere.

Kiel ist ja eine Macht im Handball, als Kind wird man mit Handball groß.

Ich war zum ersten Mal bei einem Spiel als ich sechs oder sieben Jahre alt war. Anfangs mochte ich es gar nicht, weil die erste halbe Stunde vor einem Spiel so langweilig ist. Aber dann, wenn die Spieler einlaufen und die Halle tobt, packt mich auch die Euphorie.

Die Stimmung in diesem Hexenkessel ist der Wahnsinn, es ist, glaube ich, das größte Handballstadion in Deutsch-land.

Ich trage diese Karte immer bei mir, obwohl ich meine Handtasche bestimmt schon 300 mal ausgeräumt habe. Sie ist eine schöne Erinnerung an meinen Vater und die Zeit, die wir zusammen haben. Ich habe das Gefühl, dass mich die Karte noch näher mit ihm zusammenschweißt, als wir es sonst schon sind.

Ich weiß gar nicht, wie das Spiel ausgegangen ist damals, wahrscheinlich hat THW gewonnen.

Am 23. Dezember gehe ich mit meinem Vater zum Spiel Kiel gegen Hamburg. Bevor es losgeht essen wir Chicken Wings mit einer Extraportion Knoblauch. Dazu trinken wir Alsterwasser. Mein Vater und ich mögen kein Weih-nachten, es gibt aber jedes Jahr vor Heiligabend ein Handballspiel.

Danach kann dann von mir aus Weihnachten kommen.

Maike Rudnick, Greifswald

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Notenblatt

Schmuck, Notenblatt

Aufgehende Sonne

Seit ich klein war, wollte ich Klavier spielen. Meine Eltern ließen mich aber nicht, sie hatten Angst vor dem Lärm, vor den Nachbarn.

1964, als ich sechs Jahre alt war, war ich auf einem Faschingsfest in einer Grundschule hier in Greifswald. Dort stand ein Bechsteinflügel mit einem Originalnotenblatt, der aufgehenden Sonne, die auch das Logo der Firma Bechstein ist. Ich setzte mich dran und spielte. Ich habe das perfekte Gehör und so konnte ich Sachen nachspielen, die ich gehört hatte. Einfach so.

Meine Eltern verboten mir weiterzuspielen.

Als ich 14 war sollte meine Freundin irgendwo auf einem Faschingsfest Klavier spielen. Sie hatte aber kein Talent, also wollte ich für sie einspringen. Ich fing an zu spielen, und wieder durfte ich nicht weiterspielen.

Kurz darauf wurde ich an den Ohren krank und musste operiert werden. Es kamen viele OPs hinzu, es wurde aber nicht besser. Seit 2004 bin ich Rentnerin. Ich habe sofort beschlossen, Klavier zu spielen, denn jetzt hatte ich ja Zeit. Ich ging zum Institut für Kirchenmu-sik und bat, mich dort üben zu lassen. Sie zeigten mir ihren Probekeller, in dem viele Klaviere standen.

In einem Raum ganz hinten stand der Bechsteinflügel vom Faschingsfest von 1964, der mit der aufgehenden Sonne. Heute besitze ich diesen Flügel, die aufgehende Sonne habe ich mir zu einer Brosche und Kette machen lassen.

Heutzutage trete ich viel auf, ich nehme auch CDs auf, habe mittlerweile ein Repertoire von ca. 2000 Sachen. Ich spiele auch ehrenamtlich, für den Literatursalon und die Palliativabteilung des Krankenhauses.

Ohne Hörgeräte kann ich kaum noch etwas hören – nur zum Klavier spielen brauche ich keine Hörgeräte.

Barbara Ullrich, Greifswald

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Messbacher

Der Messbecher

Ich bin ein typisches Omakind aus dem Westen. Ich war nicht im Kindergarten, stattdessen habe ich bei meinen Großeltern viel Zeit verbracht, in Meine, in Nieder-sachsen.

Seit ich stehen kann backe und koche ich mit meiner Oma. Besonders viel gebacken haben wir um die Weihnachtszeit, Plätzchen und Lebkuchen für die ganze Familie, Verwand-te und Freunde.

Der Messbecher war immer in Benutzung.

Er ist ja auch praktisch, weil man fast alles damit abwiegen kann, auch Erbsen und Graupen zum Beispiel und nicht nur Mehl und Flüssigkeiten, wie heute, bei den neuen Messbechern.

Das ging über 10 Jahre so. Dann sind wir weggezogen. Vor zwei Jahren ist meine Großmutter umgezogen, hat nun eine neue Küche und einen Messbecher aus Plastik. Den hier wollte sie nicht mehr, und da hat sie ihn mir geschenkt. Am Boden klebt sogar noch Mehl.

Bei mir steht er auf dem Schreibtisch als Erinnerung an meine Kindheit. Ich werde eine Lampe daraus machen, das sollte kein Problem sein. ich muss hier nur ein Loch reinbohren.

Meine Großmutter und ich backen jetzt nicht mehr mitei-nander. Aber füreinander.

Saskia Schniete, Greifswald

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Das Holzreh

Holzreh

Ich bin Malerin. Früher fand das allerdings keinen Anklang in meiner Familie. Als Kind durfte ich nicht malen, mit Malerei hatte niemand in meiner Familie etwas zu tun.

In meinem Kinderzimmer in Querfurt hing ein Bild, das mich sehr beeindruckte. Es inspirierte mich dazu immer wieder zu malen. Irgendwann gestand mir meine Mutter, dass das Bild von ihrem Vater stamme. Meine Mutter war nicht mit ihrem Vater aufgewachsen und hatte auch keinen Kontakt mehr zu ihm.

Als ich trotz Verbot immer noch malte, sagte meine Mutter eines Tages zu mir, sie wolle jetzt ihren Vater suchen. Mein Malen habe sie überzeugt, dass es an der Zeit war, Kontakt mit ihm aufzunehmen.

1993 fuhren wir zu seiner Adresse in Görlitz. Obwohl er von unserem Besuch nichts wusste, empfingen er und seine neue Familie uns sehr herzlich. Wir blieben mehrere Stunden und redeten viel. Mein Großvater war Maler, und als er erfuhr, dass ich ebenfalls Malerin werden wollte, ermutigte er mich dazu. Er sagte, ich solle auf mein Gefühl vertrauen und tun, was ich tun wollte. Zum Abschied schenkte er mir das Reh, das er selbst geschnitzt und bemalt hatte.

Es war der einzige Besuch bei meinem Großvater. Kurze Zeit später starb er.

Ich denke, es war kein Zufall, dass wir ihn zu der Zeit besucht haben. Ohne ihn wäre ich wahrscheinlich keine Malerin geworden.

Astrid Brünner, Greifswald

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Katz-Maus

Die Maus-Katze

Als ich acht Jahre alt war, hatte ich ein tolles Erleb-nis. Es war so intensiv, dass ich die nächsten zehn Jahre darüber nachgedacht habe.

Als ich 18 war, wurde ich schwanger. Aber wegen dieser Geschichte konnte ich mich nicht auf meine Schwanger-schaft konzentrieren – ich musste sie erst aufschreiben. Als ich mit der ‚Maus-Katze’ fertig war, legte ich die drei, vier Seiten Manuskript in die Schreibtischschub-lade und ließ sie dort liegen bis zum Jahr 2000, dem Jahr, in dem wir umzogen.

Da fand ich die Geschichte wieder – und räumte sie zurück.

2008 zog mein letztes Kind aus. Deshalb ordnete ich das Haus neu, fand das Manuskript – und beschloss, diesmal etwas anders zu machen:

Ich wollte mein ganzes Leben über studieren, durfte aber nicht, weil mein älterer Bruder schon studierte und ich Geld verdienen musste. Jetzt war die Zeit gekommen, um noch zwei Dinge zu erledigen: einen Verlag für meine Geschichte zu finden und eben zu studieren. Ich beschloss, zuerst zu studieren und mich danach mit der Veröffentlichung meines Büchleins zu belohnen.

2011 schloss ich mein BWL-Studium ab. Und 2014, also dieses Jahr, erschien endlich die illustrierte Fassung der ‚Maus-Katze’, fast 40 Jahre, nachdem die Geschichte passiert ist. Ich widmete das Buch meinem ersten Enkel, denn als ich es geschrieben hatte, war ich mit seinem Vater schwanger.

Ein 2. Enkelkind ist, glaube ich, auch schon unterwegs. Ich möchte gerne ein neues Buch schreiben, mit Kurzgeschichten diesmal, um es ihm zu schenken. Die erste Geschichte habe ich schon.

Heike Schicka-Strobel, Greifswald

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Buch mit Geheimfach

Das Buch mit dem Geheimfach

Ende der 40er Jahre, bis ca. Mitte der 50er sind mein Bruder und ich regelmäßig mit Tante Ellen zum Einkaufen gefahren. Speziell um Fasching herum kleidete uns meine Tante regelmäßig ein. Mein Bruder wollte spontan ein Indianerkostüm haben, ich wollte zuerst als Koch, dann als Cowboy gehen.

Meine Tante war eine sehr präsente Frau, kräftig, laut und äußerst selbstsicher. Sie konnte es nicht ertragen, dass ich beim Einkaufen so schüchtern war und mich für nichts entscheiden konnte.

Sie hat mich oft, ganz oft zusammengestaucht.

Als sie gestorben war, nahm ich das Geheimfach-Buch, das ich oft bei ihr gesehen hatte, an mich. Ich weiß nicht, was sie darin verwahrte. Ich habe dieses Buch vor ein paar Jahren gründlich renovieren lassen, es ist aus dem Jahr 1755.

Heute entscheide ich immer schnell, was mir sehr wichtig ist.

Billiardkugel

Die Billardkugel

Ich weiß nicht, warum mir mein Bruder diese Kugel aus Elfenbein damals, vor 25 Jahren geschenkt hatte. Er brachte mir bei seinen Besuchen in Wiesbaden meistens etwas mit, Kleider, einen teuren Mantel oder besondere Decken, die ich heute alle noch besitze.

Ich wusste nie, ob er mir die Sachen wirklich schenken, oder ob er sie einfach loswerden wollte.

Früher haben wir oft zusammen Billard gespielt. Zuletzt in Zürich, wo er mit seiner Frau hingezogen ist.

In den letzten 20 Jahren hatte ich nur zweimal Kontakt mit meinem Bruder. Ich weiß nicht, was passiert ist.

Manfred Dörner, Berlin

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Schutzblech

Das schöne blaue Fahrrad

Vor vielen Jahren habe ich auf einem Flohmarkt hier in Greifswald ein schönes, blaues Fahrrad gefunden. Es war zu klein für mich und musste dringend repariert werden. Es war ein schönes altes Ostrad, und ich mag alte Dinge, so nahm ich es mit.

Fünf Jahre stand es bei mir im Keller.

Dann kam ein Bekannter vorbei, der es ausschlachten wollte. Ich gab es ihm, und als wir es auseinander nahmen, ist mir das hintere Schutzblech des Rads aufge-fallen. Es musste einmal in drei Teile zerbrochen sein, jedenfalls hatte der Vorbesitzer die Teile sorgfältig mit einem zusätzlichen Stück Metall wieder zusammenge-fügt.

Ich bin nicht handwerklich begabt, und das hatte mir imponiert. Ich beschloss, das Schutzblech zu behalten. Als Erinnerung an ein schönes, blaues Rad.

Heute freue ich mich, wenn ich das Blau sehe. Ich freue mich aber genauso an der gelungenen Reparatur.

Diese Stück Blech ist für mich also eine Metapher für verschiedene Dinge.

Karsten Jäger, Greifswald

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Autokupplung

Verzierung der Kupplung

Meine Opa besaß in den 80er Jahren einen Skoda. Der war orange. Auf den Schalthebel hatte er diese Verzierung geschraubt. Ich erinnere mich gut, dass ich bei jeder Fahrt in seinem Auto diese Verzierung im Blick hatte.

Wir sind oft mit ihm gefahren. Mehrmals im Jahr holten meine Großeltern meine Schwester und mich zu Hause in Thüringen ab, später auch in den Schulferien. Wir fuhren dann stundenlang über die Dörfer nach Aschersle-ben in Sachsen-Anhalt, wo Oma und Opa wohnten.

Das war 120 Kilometer von uns entfernt.

Meine Eltern hatten kein Auto. Nach der Wende bekam meine Mutter diesen Skoda, den sie dann noch ein paar Jahre fuhr. Irgendwann ist er verschwunden, wahrschein-lich wurde er verschrottet, das weiß ich nicht.

Mein Opa ist 2008 gestorben. Nach seinem Tod fand ich in seiner Garage diese Verzierung wieder und nahm sie an mich.

Seitdem ist sie bei mir.

Anne Wende, Greifswald

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Stein von Kati

Der Klumpen

Als ich Kind war hatten meine Schwester und ich eine Steinsammlung bei uns im Kinderzimmer. Die Steine stammten von meinem Vater, und auch wir Kinder legten unsere Fundstücke dazu.

Der Klumpen war immer dabei. Mein Vater hatte ihn in den 50er Jahren in Grevesmühlen gefunden.

Wir Kinder fanden ihn ganz besonders, er hatte etwas Geheimnisvolles, Mysteriöses. Niemand wusste so recht, was er denn war: mineralisch, aus Bernstein?

Ich schleppe ihn mein ganzes Leben schon mit mir herum.

Eines Tages zeigte ich ihn meinem Freund. Wir entdeck-ten, dass der Klumpen in Wirklichkeit aus mehrfarbigen, geschmolzenen Glasknöpfen bestand, aus goldbraunen und dunkelgrünen. Auch Ösen waren zu sehen.

Aber: Was sind Glasknöpfe? Wozu benutzt man sie? Und: Was ist mit dem Klumpen passiert?

Wir haben dann überlegt, dass irgendwo wahrscheinlich ein Haufen Glasknöpfe herumlag, und dann bracht ein Feuer aus. So sind die Knöpfe geschmolzen.

Oft sieht man nicht richtig, oder sieht auf den zweiten Blick etwas anderes, das wurde mir jetzt klar. Das Geheimnis des Glasklumpens konnten wir nicht lüften. Ich denke, dieses Geheimnis macht ihn so reizvoll für mich.

Das Besitzverhältnis ist übrigens nicht geklärt. Mein Vater hat seinen Besitz daran aufgegeben. Meine Schwes-ter aber sagt, es sei ihrer. Doch sie ist ausgezogen und hat ihn zurückgelassen. Und nun ist er bei mir.

Kati Mattutat, Greifswald

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Pferde

Mein Pferd

Ich bin sieben Jahre alt. In meiner Heimat Afghanistan sind die Pferde immer frei gelaufen. Ich besaß aber mein eigenes Pferd und bin viel geritten, über Stock und Stein, heißt das so?

Ich vermisse mein Pferd.

Bevor ich gestartet bin, habe ich selber den Sattel aufgelegt, und dann bin ich losgaloppiert.

Bei Gewitter habe ich viel Angst gehabt. Mein Pferd auch. Wir haben uns aus Angst gemeinsam untergestellt.

Mahsa, Frankfurt/O.

Anm.: Die Pferde stammen aus einem Kindergarten in Greifswald. Die Kindergärtnerinnen, die Mahsa betreut haben, haben diese Pferde mitgebracht.

2 thoughts on “Benath Notice – Hab und gut

  1. Ich sitze gerade noch und warte auf geschlossene Augen und Ihr seid schon in der Eröffnung. Es war sehr schön diese Woche zu erleben
    und ich bin absolut begeistert von der Ausstellung, den Exponaten und den Geschichten. Bis gleich. S.M.

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